Frankfurt / Wein

Neues aus Frankfurt/Wein.

Rhonetrip Sommer 2011 - Domaine Gourt de Mautens


Wenn man Rasteau in Richtung Roaix oder Violès verlässt, hat man den wohl schönsten Blick auf die markante Felsformation der Dentelles de Montmirail und den links dahinter sichtbaren Mont Ventoux. Der Mont Ventoux ist sicher jedem Radsportfan bekannt, da sich regelmäßig der Tross der Tour de France über ihn hinweg quälen muss. Aber nicht der berauschende Anblick dieser Naturlandschaft war der Grund meines Besuches in dem Dorf, es war ein Treffen mit Jérôme Bressey. Jerome und Marie Charpentier sind die Menschen die hinter der Domaine Gourt de Mautens stehen, von wo sicherlich mit die interessantesten Weine dieser Gegend herkommen.  

Zufällig findet man die Domaine nicht. Auf halbem Weg zwischen Rasteau und Cairanne befindet sich das kleine, unscheinbare Anwesen, einsam auf freier Flur, der Name auf dem Briefkasten als einziger Hinweis. Wer die beiden kennen lernt, wundert sich darüber nicht. Bescheidene, nette Zeitgenossen, die ohne öffentliches Aufsehen zu forcieren, sich auf das Wesentliche konzentrieren – die Weinberge und den Wein der daraus entsteht. Und auch da zeigt sich Jérôme enorm reduziert. Seine Produktion beschränkt sich hautsächlich auf den roten Rasteau, sowie einen Weißwein, von dem es aber jedes Jahr gerade mal 1000 bis 1200 Flaschen gibt. In ganz seltenen Jahren, wenn es das Lesegut ermöglicht, kann auch mal ein roter Vin Doux Naturell, oder ein Rosé hinzukommen.

Jérôme´s Weg begann 1996, als er die Weinberge der Familie übernahm, die die Ernte bis dahin immer komplett an eine Cooperative abgab. Heute wachsen die Reben auf einer Fläche von 13 ha und sind auf acht verschiedene Parzellen rund um Rasteau verteilt, teils direkt in den oberen Lagen, teils terrassiert in den unteren Bereichen der Hügel. Die Böden auf denen die Rebstöcke stehen sind eine Kombination von Lehm, Kalkstein und Schiefer. Gleich zu Beginn der Übernahme von seinen Eltern, hatte Jérôme erst mal die Erziehungsform dieser Rebstöcke komplett geändert. Heute arbeitet er ausschliesslich nach dem Gobletverfahren, also einzelne, nach oben gebundene Weinstöcke, bei denen er auch die Triebe nicht schneidet. Die Anwendung des Goblet hat hatte zwei Gründe: Zum Einen sind mehr als 80 % der Rebstöcke zwischen 50 und 95 Jahre alt, zum Anderen erfolgt am Stock der Beginn der Ertragsreduktion auf 10 – 12 hl / ha, in dem man von vorneherein wenig Trauben am Stock lässt. Schon Jérôme´s Eltern stellten 1989 die Weinberge auf biologische Bewirtschaftung um, 2008 erfolgte dann der Schritt zur Biodynamie.

Die Rebstöcke für die Cuvée der Weine steht schon gemischt in den einzelnen Weinbergsparzellen, wird dort auch gemeinsam geerntet und später auch gemeinsam weiter verarbeitet. Der Bestand für die Rotweine besteht, entsprechend der AOC, hauptsächlich aus Grenache, sowie Mourvedre, Syrah und Carrignon, die alle von sehr alten Rebstöcken kommen. In den letzten Jahren ergänzt durch ebenso ortstypische, aber weniger bekannte Rebsorten, nämlich Counouise, Vaccarése, Terret und Cincault, allesamt hervorgegangen aus einer selection massal. Für den Weisswein verwendet Jérôme Grenache blanc, Bourboulance, Roussane, Marsanne, Viognier sowie die alten Rebsorten Piquepoul und Picardin.

Die Arbeitsabläufe auf Domaine Gourt de Mautens bestehen fast ausschliesslich aus reiner Handarbeit. Nach der sorgfältigen Pflege der Weinberge innerhalb der Vegetationsphase geht es im Herbst mit der Lese weiter, welche von Hand in kleine Körbe erfolgt. Schon während diesem Arbeitsschritt wird die erste Selektion gemacht, in dem man nicht perfektes Lesegut trennt. Vor der Weiterverarbeitung werden die Trauben auf der Domaine ein zweites mal von Hand sortiert, um auch wirklich jede schadhafte Beere aussen vorzulassen. Weiter geht es, in dem das Lesegut lediglich ganz leicht angequetscht wird, bevor es in speziell geformten, nach oben zu öffnenden, Holzgebinden vergoren wird. Erst danach erfolgt eine sehr langsame, pneumatische Pressung, um den Wein dann in drei verschiedenen Gebinden seinen Reifeprozess durchleben zu lassen. Den Anfang macht er in Stückfässern, dann folgt eine Zeit in Demi Muids, entsprechend unserem Halbstück (600 L), bevor er zum Abschluss in einen Betontank geht. Dieser Vorgang dauert mindesten 35 Monate, zieht sich aber auch schon mal bis auf 45 Monaten hinaus. Bei den Weissweinen findet die Gärung im Stahltank statt, bevor die Reifung denselben Verlauf wie beim Roten nimmt. Allerdings „nur“ während 20 bis 26 Monate. Bei allen Weinen wird kein neues Holz verwendet. Am Ende des Reifeprozesses werden die Weine ungeschönt und unfiltriert, wiederum von Hand, abgefüllt.

Seit 2007 hat sich Jerome für eine wesentliche Änderung seiner Weinbereitung entschieden. Die Trauben werden jetzt vor der Mazeration nicht mehr entrappt. Diese Vorgehensweise bewirkt, das die Weine beim Tannin etwas grobkörniger werden, dadurch aber wesentlich mehr Frische, Finesse, Eleganz und Tiefe bekommen. Der  Wandel von extraktreich, dicht und fruchtbetont, zu mehr Filigranität und komplexerem Aromenspiel tut dem Wein gut. Ich konnte verschiedene Sachen probieren. Den 2007er, der jetzt auf den Markt kommt, die Fassprobe des 2008er, der sich im letzten Reifestadium vor der Abfüllung befindet, sogar den Wein aus 2009, wobei Jérôme hier mal kurz „meine ganz persönliche Verkostungsassembage“ aus dem Ärmel geschüttelt hat. Aber auch der sehr rare Weisswein und den zuletzt in 2006 produzierten Doux Naturell waren dabei. Und was soll ich sagen: Für mich war jeder Einzelne für sich zum niederknien.

11.08.2011  Frankfurt / Wein

Empfohlen durch



Fachhandelspreis des deutschen Weininstituts 2014

Frankfurt / Wein

Wittelsbacherallee 153,
60385 Frankfurt am Main,
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag
13:00 - 19:00 Uhr
Samstag 10:00 - 18:00 Uhr
Montag geschlossen
Telefon: 069 40 35 30 86

Frankfurt / Wein Parkplatzmöglichkeit Einfahrt Saalburgallee 18
Parkplatz Nr. 7
Rückseite des Weinladens.