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Rhonetrip Sommer 2011 - Château de Beaucastel (Perrin & Fils)


Am vierten Tag der Reise stand mit Château de Beaucastel eines der absoluten Top – Weingüter der Region auf dem Programm. Daher war ich auch etwas überrascht über den letzten Teil der Wegstrecke, zu diesem weltweit bekannten und auch historisch belegten Weingut. Auf der Nationalstrasse zwischen Courtizan und Orange führt im Kreisel zur Autobahnauffahrt eine Strasse ab, weiter geht es über die Autobahnbrücke und man befindet sich inmitten der Weinbergen, auf einem holprigen Strässchen, das eher an einen Feldweg erinnert. Wäre im Kreisel nicht ein Hinweisschild von Beaucastel gestanden, ich hätte wohl sicher, in der Annahme mich verfahren zu haben, umgedreht.  Also weiter, zum Schluss dann wirklich nur noch über geschotterte Feldwege zum Château. Von aussen erst mal eher unscheinbar, zeigt sich erst beim Eintreten die wahre Kulisse des alten Gebäudes.

Das Weingut umfasst heute 130 Hektar, wovon jedoch lediglich 100 Hektar mit Rebstöcken bepflanzt sind. 3/4 als Appellation d'Origine Contrôlée Châteauneuf-du-Pape (CHATEAU DE BEAUCASTEL), 1/4 als Appellation d'Origine Contrôlée Côtes-du-Rhône (COUDOULET DE BEAUCASTEL). Die übrigen 30 Hektar dienen zur Bepflanzung neuer Rebstöcke. In einer Art Rotation werden jedes Jahr ein bis zwei Hektar Reben ausgerissen und die gleiche Fläche, die seit mindestens zehn Jahren keine Rebstöcke mehr trug, wird neu bepflanzt. Ein grosser Vorteil für die Bewirtschaftung auf Beaucastel ist der Umstand, dass alle Weinberge direkt um das Château angelegt sind. Diese hervorragende Ausgangssituation hat das Château einer Männerfreundschaft zu verdanken, und zwar der von König  Louis XV mit dem damaligen Grafen von Beaucastel. Wann immer der König sich in Châteauneuf-du-Pape aufhielt, standen auch gemeinsame Jagdausflüge mit dem Grafen rund um Beaucastel auf der Tagesordnung. Diese Freundschaft  hatte jedoch einen Makel. Als Katholik war es dem König ein Dorn im Auge, das der Graf dem protestantischen Glauben angehörte. Und offensichtlich ist doch alles nur eine Frage des Preises: Als der König Ländereien in Form von Weinbergen, und Reichtum anbot, war dem Graf der Wohlstand näher als der Glaube und er konvertierte. Das war der Grundstock für Château de Beaucastel, so wie es heute noch bewirtschaftet wird.

Seit 1909 befindet sich Château de Beaucastel im Besitz der Familie Perrin. An Weinbau war damals aber nicht mehr zu denken. Die Reblaus hatte auch hier ganze Arbeit geleistet und den kompletten Rebenbestand vernichtet. Der Kauf des Anwesens wurde getätigt, um mit dem Olivenanbau sein Geld zu verdienen. Erst in den zwanziger Jahren wurde mit dem sukzessiven Wiederanbau von Rebstöcken begonnen. Einen letzten Einschnitt gab es dann kurz nach dem 2. Weltkrieg. Bis zu diesem Zeitpunkt war der gesamte Rebbestand in die AOC Châteauneuf-du-Pape eingegliedert. Warum danach ein Teil des Terroirs als AOC Côte du Rhone deklassiert wurde kann keiner so recht sagen. Wahrscheinlich waren es politische Gründe, die Böden sind ja nach wie vor dieselben. Lediglich die A7 trennt heute beide Bereiche voneinander.

Bevor wir in den Keller von Beaucastel abstiegen, führte mich Matthieu Perrin erst mal hinaus in die Weinberge. Auch hier, die typischen Böden der Appelation. Dicke Lehmschichten durchsetzt von riesigen Kieselsteinen. Die Kieselsteine haben eine positive Auswirkung auf die Qualität des Weins: Sie speichern tagsüber die Hitze und geben sie den Rebstöcken in der Nacht wieder ab. Das Mikroklima spielt hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Es ist gekennzeichnet durch eine geringe Regenmenge, den Mistral, der die Luft sauber und trocken hält, sowie eine wunderbare Sonneneinstrahlung. Auf Beaucastel werden alle 13 in Chateauneuf-du-Pape zugelassenen Rebsorten angebaut, jede für sich in separaten Parzellen. Nachdem die Trauben dann auch entsprechend separat vinifiziert wurden, kommen bei den  Châteuneuf-du-Pape Cuvées auch alle Variationen zum Einsatz. Die Perrins begannen bereits 1964 mit dem biodynamischen Weinbau, und gehört so sicherlich zu den Pionieren dieser Arbeitsweise.

Die Vinifikation der Trauben beginnt bei allen Rebsorten mit der Mazeration in grossen Betontanks, die Reifung für den so gewonnene Jungwein erfolgt danach in grosse Fudern mit ca. 5000 L Inhalt. Lediglich beim Syrah und Mourvedre geht man anders vor. Auf Grund Ihrer dicken Traubenhäute gelten diese Rebsorten als eher reduktiv. Daher werden hier für die Mazeration grosse Holzfässer verwendet, die bei Bedarf ab und an geöffnet werden, um die Sauerstoffzufuhr zu erhöhen. Bei diesen Sorten arbeitet man dann auch mit der klassischen Piegeage. Der weitere Verlauf des Ausbaus findet dann ebenfalls in Fudern statt. Die Weissweine werden gleich den Roten hergestellt, Mazeration im Tank, Ausbau im Fuder. Das Barrique sehen nur ganz geringe Mengen der Weine, welche auch nur zum Ausgleich der Verdunstungsmenge im Fuder verwendet wird.

Beim Gang durch die Keller erkennt man dann auch die wirkliche Grösse des Châteaus. Schon die Bereiche mit den Tanks und den Fudern sind bemerkenswert, beindruckt hat mich jedoch das Flaschenlager. Hier befinden sich rund 1 Million Flaschen aus vielen Jahrgängen und in den unterschiedlichsten Gebindegrössen,  

Aber das Tun der Familie Perrin beschränkt sich nicht nur auf Château de Beaucastel. Ein weiteres Weingut, nämlich Perrin & Fils, gehört ebenfalls dazu. Perrin & Fils hat seine Weinberge in verschiedenen Appelationen des südlichen Rhonetals. Hierzu gehören Rasteau, Vinsobre, Vacqueyras, Gigondas, Tavel, Cairanne und Beaumes de Venice. Bei diesen Weinen ist den Perrins die Qualität ebenso wichtig wie auf Beaucastel. Daher wird auch hier mit genauso sorgfältig  ausgewählten Arbeitsmethoden gearbeitet, die einzig und allein darauf abzielen, Weine mit den Charakteristiken des jeweiligen Jahrgangs zu präsentieren, außergewöhnliche Weine, die die Ursprünglichkeit des Terroirs zum Ausdruck bringen.

Ein Weinbaujahr im Zeitraffer. Erleben Sie die wunderbaren Impressionen über die Familie Perrin und Château de Beaucastell, mit denen Sie Ihnen einen Jahresablauf in den berühmten Châteuneuf-du-Pape Weinbergen näher bringt.

07.09.2011 Frankfurt / Wein

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