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Neues aus Frankfurt/Wein.

Wagner- Stempel - Jahrgangsreport 2012


Der gewohnte Herbstverlauf in Siefersheim war in den vergangenen Jahren immer geprägt von den beträchtlichen kleinklimatischen Unterschieden der Siefersheimer Weinberge. Während frühe Rebsorten am Höllberg und am Siefersheimer Horn alljährlich den Herbstbeginn einläuten, haben die Rieslingparzellen in der Lage Heerkretz meist noch viele Wochen Ausreifung vor sich. So kann sich die Leseperiode im Normalfall trotz aller Anspannung und Arbeit ganz entspannt über bis zu 6 Wochen hinziehen. Im Jahr 2012 war dies anders. Das Jahr begann mit überaus milder Witterung für einen Januar, und anstatt Schnee und Eis brachte der Monat ungewohnt starke Regenfälle mit sich. Der Winter kam erst im Februar nach Rheinhessen, und eisige Ostwinde führten zu extremen Temperaturen von bis zu 24° Celsius unter null. Einer der kältesten Februarmonate seit Aufzeichnung. Schon zu diesem Zeitpunkt war offensichtlich, dass ein so früher und warmer Frühling wie im Jahr zuvor sich nicht wiederholen würde.

Erst im Verlauf des März erfolgte ein fliegender Wechsel in eine frühsommerliche Periode mit sehr warmer, trockener Witterung bis in den Juni. Die Natur profitierte während dieser Zeit von den ergiebigen Regenfällen des Januars, und der Austrieb der Reben erfolgte gegen Ende April. Die Rebblüte begann am Höllberg um den 8.Juni und fiel zusammen mit einer deutlichen Wetterverschlechterung. Vielfach wechselhaftes und kühles Wetter führte zu einer sehr uneinheitlichen Blüte mit zahlreichen, aber nicht gravierenden Verrieselungen.

Die Sommermonate Juni und Juli waren insgesamt gekennzeichnet von durchaus warmen Temperaturen und freundlichen Abschnitten, die immer wieder von kräftigen Schauern und Gewittern unterbrochen wurden. Eine Situation, die für Pilzkrankheiten – insbesondere Peronospora – ideale Bedingungen lieferte und uns zu einem Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Disziplin im Pflanzenschutz zwang. August und September zeigten sich von ihrer besten Seite und entschädigten für die hohe Anspannung der verregneten Sommermonate davor. Alle so aufwendigen, handwerklichen Schlussarbeiten in den Weinbergen konnten wir bei idyllischem Spätsommerwetter vornehmen, und insbesondere der Gesundheitszustand der Trauben gegen Ende September war über alle Rebsorten hinweg so optimal wie nur selten in den vorigen Jahren.

Der Lesebeginn fiel auf den ersten Oktober. Ein deutlich späterer Zeitpunkt im Vergleich der letzten Dekade. Es zeigte sich, dass alle Rebsorten enorm von der idealen Witterung der vorangegangenen Wochen profitiert hatten. Kerngesundes, grüngelbes Lesegut mit sehr guten Mostgewichten und knackig frischer Säure. Die Erträge waren ebenfalls erfreulich gut, und vor allem der makellose Gesundheitszustand bei derartigen Reifegraden war erstaunlich.

Mit Beginn der zweiten Oktoberwoche verschlechterte sich das Wetter zusehends. Die überaus kühlen und feuchten Tage vom 11. bis 14. Oktober gingen an vielen Rebanlagen nicht spurlos vorüber. Die Trauben waren immer noch vollständig gesund, aber das Laub begann sich zu verfärben und die Natur kündigte in den bunten Farben des Herbstes den Endspurt an.

Die sonnig warmen Tage mit kühlen Nächten der dritten Oktoberwoche brachten auch den Rieslingen in den großen Lagen Höllberg und Heerkretz den letzten Schliff. Viele unserer besten Parzellen Riesling, Silvaner und Weißburgunder konnten in dieser Phase mit phantastischen Ergebnissen gelesen werden. Das Laub war zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig gelb, und der eigentliche physiologische Prozess der Pflanze damit abgeschlossen. In den Nächten vom 27. und 28. Oktober zeigte der Herbst mit zwei klirrenden Frostnächten sein grimmiges Gesicht. Am Siefersheimer Horn auf knapp 300 m Höhe hatte es geschneit, und in den frühen Morgenstunden konnten wir bei knapp 6 Grad unter null Rieslingtrauben in der Heerkretz lesen, die eigentlich für trockene Weine gedacht waren, die aber als teilgefrorene Menge mit Mostgewichten für Auslese von der Kelter lief. Eine wahrlich spektakuläre Teilmenge, die wir im weiteren Verlauf mit größtem Interesse verfolgen werden.

Am Morgen des 31. Oktobers waren bereits alle Blätter von den Reben gefallen, und die letzte Parzelle Riesling am Siefersheimer Ajaxturm wurde bei schönstem Herbstwetter heimgebracht. Das regenkalte Wetter des Novembers wollten wir nicht abwarten, es hätte keine Verbesserung des Leseguts erbracht – eher das Gegenteil. Insofern war es eine sehr kompakte Leseperiode vom ersten Tag des Oktobers bis zum letzten – genau 31 Tage mit einem klirrend kalten Finale.

Im Vergleich zum legendär ausgerufenen 2011er Jahrgang erwarten wir von den eingebrachten Trauben einen Jahrgang, der eher mit den Worten Spannung und Finesse beschrieben werden kann. Bestach das Vorjahr so sehr mit seiner enormen Fruchtreife, der Saftigkeit und Vollmundigkeit, so zeigen die 2012er schon jetzt ein Profil, das vom Spannungsbogen aus Säure und Extrakt bei einem eher schlankeren Körper profitiert. Ähnlich anderen, kühleren Jahrgängen der vergangenen Dekade bestechen die bisherigen Ergebnisse aus 2012 durch ihre Feinheit und Frische bei moderatem Volumen. Die aromatische Ausreifung in den kühlen Nächten gegen Ende Oktober war langsamer und filigraner als im Jahr zuvor und zeigt eine Eigenart, die nicht durch Kraft und Fülle beeindruckt, sondern durch Eleganz und Subtilität. Wer diese Attribute am deutschen Wein sehr schätzt, darf sich auf einen großartigen Jahrgang 2012 freuen.

13.11.2012 Daniel Wagner

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